Das letzte Aufgebot

(Die bisher hilfloseste Reaktion auf die Krise)

Als am Ende des Dritten Reichs alte Männer und kleine Jungs mit klapprigen Spaten Gräben quer über die Straßen zogen und sich mit drei Handgranaten, einer Panzerfaust samt drei Schuss und sonst nichts, außer ihrem mehr oder minder verzweifelten Heldenmut, den vorrückenden alliierten Verbänden entgegenzustellen versuchten, war die Lage verzweifelt, die Hoffnung dahin - und folglich schien jede auch noch so verrückte Aktion besser, als einfach ergeben auf das Ende zu warten.

Als an diesem Wochenende Frau Bundeskanzler und Herr Finanzminister verkündeten, “Die Spareinlagen sind sicher”, hätte ich mir gewünscht, man hätte Norbert Blüm für exakt diesen Satz noch einmal auf die Bühne geholt.

Der deutsche Staat hat - das wissen alle, vor allem der tilgungswütige Finanzminister hat uns das oft und oft erklärt - mehr als 1,5 Billionen Euro Schulden.

Womit will dieser Staat die Garantie für alle privaten Spareinlagen übernehmen?

Es ist wohl noch nicht zu Ende ausdefiniert, was nun als private Spareinlage gelten soll, und was nicht, aber der Betrag von 568 Millilarden Euro, der steht im Raum, quasi als Untergrenze.

Der Staat, der keinen Cent übrig hat, aber 1,5 Billionen Schulden, der versichert nun in aller Unschuld, er garantiere für die privaten Spareinlagen.

Nun, das Ziel, die Bürger davon abzuhalten, ihre Guthaben abzuheben und Banknoten nach Hause zu tragen, ist ehrenwert. Ein Ansturm auf die Bankschalter würde den Zusammenbruch des Finanzwesens noch einmal massiv beschleunigen, weil damit auch noch die letzten Reste Liquidität aus dem System gezogen würden, aber was, wenn die Bürgschaften für die HRE fällig werden und weitere Institute sich zur Rettung in die Schlange vor dem Finanzministerium einreihen?

Da gibt es zwei Schwierigkeiten

  • Der Staat müsste sich massiv verschulden. Anders kann er seine Zusage nicht wahrmachen, es gibt keine Haushaltsüberschüsse, keine Reserven und es stehen auch nicht 126 Bundesbahnen zum Verkauf, sondern nur die eine, einzige, die wir noch haben. Wenn sich aber der Staat massiv verschuldet, dann bürdet er den Bürgern, deren Guthaben er jetzt schützt, im Gegenzug Schulden in gleicher Höhe auf. Die Guthaben der Steuer- und Beitragszahler werden also dadurch entwertet, dass unser aller Staat diesen Guthaben Schulden gegenüberstellt, die über kurz oder lang von den jetzt Begünstigten in Form höherer Abgaben und Steuern - oder, gnädiger, per Inflation - wieder abzubezahlen sein werden.

    Guthaben minus Schuld = Null. Das ist der Wert der Garantie, volkswirtschaftlich.
    Für den einen oder anderen Einzelnen, der, gemessen an Einkommen und Vermögen nur verschwindende Aufwendungen für die Mehrwertsteuer und andere Konsumsteuern hat und der noch dazu per Abgeltungssteuer in den Genuss einer auf 25% begrenzten Einkommensteuer kommt, kann sich das lohnen.

    Aber weil es nur den einen großen Staatstopf gibt, ist der Nutzen des Einen eben der Schaden des Anderen.

  • Der Staat ist technisch und organisatorisch nicht darauf vorbereitet, die Abwicklung solcher Garantien zu bewerkstelligen. Entweder er rettet jedes Bankinstitut, bei dem private Spareinlagen liegen, vollständig - und erhält es damit am Leben - oder die Einleger müssen, nach dem Zusammenbruch ihrer Bank, mit ihren Kontoauszügen zu einer Behörde marschieren (die es noch nicht gibt), wo ihre Unterlagen auf Richtigkeit und Gültigkeit geprüft werden (wofür die Regeln noch nicht erlassen sind) um dann mit mehr oder minder großen Tüten oder Köfferchen frisch gedruckter Banknoten (welche die EZB - zumindest heute noch - nicht gewillt ist, dem Staat direkt zur Verfügung zu stellen) nach Hause geschickt zu werden. Die Abwicklung einer solchen Staatsgarantie, sollte sie denn zum Tragen kommen, ist ein organisatorisches Problem, dessen Lösung im besten Fall Monate in Anspruch nimmt.

Machen Sie sich also weiter keine Gedanken. Die Spareinlagen sind sicher. Ich würde sogar sagen, sie sind noch viel, viel sicherer, als die Renten.
Ob Sie heute zur Bank gehen, und Geld abheben, oder ob sie es bleiben lassen, macht kaum einen Unterschied.

Die Geldmengen, die in diesen Tagen weltweit ins System gepumpt werden, sind ein letzter Akt der Umverteilung - bevor sich die Ikonen des getäuschten Vertrauens, die schönen bunten Scheinchen, in inflationären Rauch auflösen.

 

Quelle:  egon-w-kreutzer.de